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High Five mit Kathrin Lang

Kathrin Lang hat 2018 ihre Agentur Klang PR gegründet. Mit viel Leidenschaft und Berufserfahrung erarbeitet sie individuelle TV-Promotion Konzepte für Künstler*innen im Musikbereich. Wir haben mit ihr über die aktuelle Relevanz von TV-Promo und Innovationen in der Branche seit Corona gesprochen.

Steffen Sommerlad
16. September 2022

Aus welcher Situation heraus hast du Klang PR gegründet?

Ich bin schon seit 2011 freiberuflich als TV-Promoterin tätig. Vor der Gründung meiner eigenen Agentur habe ich einige Jahre im Verbund mit verschiedenen anderen Agenturen gearbeitet und auf diese Weise viel Erfahrung gesammelt. Anfang 2018 habe ich mich schließlich für den Schritt entschieden, mich von der Abhängigkeit von anderen Agenturen zu lösen und den Weg eigenständig zu gehen. Eine Entscheidung, die ich bis heute nie bereut habe.

Der Fokus von Klang PR liegt auf TV-Promotion – ist das überhaupt noch zeitgemäß oder beschreitet ihr auch andere Wege?

Noch ist es so, dass TV-Promotion für Musik, Comedy und auch für das Verlagswesen eine gefragte Dienstleistung ist. Über das Fernsehen erreicht man trotz rückläufigen Zuschauerquoten noch immer ein Millionenpublikum. Zudem stellen die Sender ihre Inhalte mittlerweile alle in den Mediatheken oder häufig auch bei YouTube zur Verfügung. Man kann schon seit Jahren gut bei Jan Böhmermann und seinem Team beobachten, dass die Klickzahlen auf YouTube die Quoten der Ausstrahlung auf dem ZDF (früher ZDFneo) übersteigen. Regelmäßig knacken die „Magazin Royal“-Clips online die Zig-Millionenmarke.

Kathrin Lang, Klang PR-Gründerin (TV ©Alberto Contreras/unsplash, Portraits ©Kathrin Lang)

Als begeisterte und treue Userin beobachte ich zudem schon seit Jahren den Fortschritt, den z. B. die ARD-Mediathek macht. Rein von der Nutzerfreundlichkeit braucht sich die Plattform schon lange kaum mehr hinter großen Streaming-Anbietern wie Netflix oder Amazon verstecken. Diese Entwicklung stimmt mich optimistisch, dass wir bei Klang PR noch immer auf das richtige Pferd setzen. Dennoch scheuen auch wir nicht den Blick über den Tellerrand und mischen schon seit Längerem im Podcast-Geschäft mit. Ein Medium, das wir sehr lieben und dem wir noch eine langlebige Karriere vorhersagen.

Was können Unternehmen und Marken generell von der Kommunikation und Promotion in der Musikbranche lernen?

Wir werfen unsere Schützlinge häufig ins kalte Wasser. Die meisten Künstler*innen, mit denen wir die Zusammenarbeit beginnen, sind absolute Newcomer und haben ein Fernsehstudio noch nie von innen gesehen. Im Laufe unserer Zusammenarbeit müssen sie schnell lernen mit dem Medienrummel und dem damit verbunden Druck sowie den Erwartungen seitens Label, Management und der allmählich wachsenden Fanbase umzugehen. Ich bin immer wieder aufs Neue überrascht, wie gut sich auch blutjunge Künstler*innen bei ihren ersten Schritten durch die Fernsehwelt schlagen und wie schnell sie Fortschritte machen, wenn man sie im passenden Umfeld platziert und ihnen mit Rat und Tat hinter den Kulissen beiseite steht.

In der Musikbranche scheut keiner die Konfrontation mit außergewöhnlichen Charakteren. Je „bunter“ desto besser.

Dennoch darf man nicht vergessen, dass ein Künstleraufbau nicht von heute auf morgen funktioniert. Um einen Act langfristig auf dem Markt zu etablieren, benötigt es viel Zeit, Vertrauen und Durchhaltevermögen. Ich finde es toll, dass man sich in der Musikbranche oft nicht davor scheut, dieses Invest und Risiko bei Nachwuchskünstler*innen einzugehen. An dem Durchbruch von Alvaro Soler haben wir in Deutschland beispielsweise einige Jahre gearbeitet – jetzt zahlt sich die Arbeit aus. Alvaro ist ein Popstar, der sich sogar auf dem internationalen Parkett behauptet. Erwähnenswert finde ich an dieser Stelle auch, dass Individualität im Showbusiness großgeschrieben wird. In der Musikbranche scheut keiner die Konfrontation mit außergewöhnlichen Charakteren. Je „bunter“ desto besser. Am Ende muss es nur authentisch sein, und auch immer bleiben.

Insofern würde ich auf die Frage kurz und knapp antworten: Mut und Risikobereitschaft!

The Kelly Family (©Dominik Beckmann)

Welche positiven Veränderungen, z. B. neue Ideen und Innovationen, hast du während der Pandemie in der Musikbranche wahrgenommen?

Zunächst war ich natürlich schon aus rein persönlichem Interesse überaus dankbar für die technische Möglichkeit einer Live-Schalte ins Studio während der Lockdowns. Sendungen konnten auf diesem Weg nach wie vor Studiogäste empfangen – nur eben auf digitalem Weg via Zoom, Skype oder anderen Dienstprogrammen. Unsere Künstler*innen konnten somit ohne Probleme weiterhin Promotion für ihre Produkte machen, weshalb es zu keinem echten Stillstand in der Medienkommunikation kam. Dennoch waren diese Live-Schalten und Online-Konzerte natürlich kein echter Ersatz für beispielsweise große Samstagabendshows vor Studiopublikum. Künstlerische Inhalte übertragen sich an den Zuschauer zuhause nur bedingt, wenn die Übertragung schon rein technisch durch z. B. einen Zeitversatz sowie schlechte Bild- oder Tonqualität gestört ist. Die direkte Kommunikation mit dem Empfänger ist immer noch die, die am besten funktioniert, wenn es darum geht echte Emotionen zu erzeugen. Ziel unserer Arbeit ist am Ende schließlich noch immer, dass der berühmte „Funke“ magisch überspringt – das habe ich in Zeiten von Live-Schalten tatsächlich nur sehr selten erlebt.

Alvaro Soler (©Martin Garcor)

Nachhaltig scheint mir die Erkenntnis bei allen Gewerken, dass es für die Umsetzung von TV-Shows und -Sendungen keinen so großen Apparat benötigt, wie man es noch vor der Pandemie angenommen hat. Die Travelparties sind mittlerweile sehr viel kleiner und auch der Zeitaufwand vor Ort wurde seitens der Fernsehproduktionen etwas eingedämmt. Während Künstler*innen früher häufig von mehreren Personen über viele Tage zu Fernsehproduktionen begleitet wurden, schicken wir sie heute oft maximal zu zweit auf die Straße. Das ist vielleicht nicht immer so angenehm und luxuriös, aber es funktioniert trotzdem und spart Budgets, die nun gut an anderer Stelle zum Einsatz kommen können.

Ist dein Job kreativ oder ist eher Organisationstalent gefragt?

Es benötigt sehr viel Organisationstalent, vor allem aber Feingefühl im Umgang mit anderen Menschen. Unser tägliches Brot ist der Austausch mit Redakteur*innen und die Suche nach dem perfekten Maß an Kommunikation. Fragen, die uns im Grunde täglich beschäftigen, sind: was schreibe ich in meine E-Mail, wie lange ist der Inhalt, wie viele externe Links verkraften die Empfänger*innen, wann schicke ich einen Reminder, wann halte ich lieber die Füße still? Wann greife ich zum Telefon, wie lange halte ich die Redakteur*innen in der Leitung, wie viel Informationsaustausch verkraftet ein Telefonat? Wie gestalte ich den Newsletter, an welche Verteiler gehe ich damit und wann? Um Antworten auf all diese Fragen zu finden, benötigt es in den ersten Jahren neben möglichst viel Erfahrung vor allem Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und eine nicht unwesentlich große Portion Empathie. Später läuft das alles gefühlt von alleine – nicht zuletzt, weil man sich auch persönlich kennenlernt und über die Zeit viele Projekte erfolgreich gemeinsam realisiert. Dann entsteht ganz plötzlich auch sehr viel mehr Raum für Kreativität.

Gelassenheit ist übrigens auch kein schlechter Begleiter auf dem Weg durch die Entertainmentbranche, aber das ist nochmal ein anderes Kapitel.

 

Introbild:
Bilderbuch (©Josef Beyer)

Hier gibts mehr Infos über Klang PR.